Sakramente "Liebeserklärungen Gottes"
Schon der Titel lässt aufhorchen: Sakramente - Liebeserklärungen Gottes in den Feiern der Kirche", so nennt Dr. Alois Schwarz (Bischof der Diözese Gurk in Klagenfurt) sein neues, erst kürzlich erschienenes Buch. Eine überraschende Formulierung, denn nicht wenige - auch innerhalb der Kirche - verbinden mit den Sakramenten oft weniger liebevolle Erinnerungen und Gedanken, als vielmehr ein gewisses Unbehagen etwa angesichts der "Beichte" oder der (immer noch) als "letzte Ölung" bezeichneten Krankensalbung.
Bei der Feier der Erstkommunion oder auch der Firmung steht für viele Betroffene (Kinder ebenso wie Eltern und Angehörige) oft mehr die Anspannung der Vorbereitung und Feier dieser Ereignisse im Mittelpunkt als das befreiende, stärkende, liebevolle Ja Gottes zu uns Menschen.
Gott sagt Ja zu uns Menschen
Dabei wollen die Sakramente genau dies zum Ausdruck bringen: Das Ja Gottes zu seiner Welt und zu seinen Menschen, die Zusage Gottes auch an uns. Die ganze heilige Schrift ist durchzogen von dieser Liebe Gottes, ja der Name Gottes selbst - und damit sein ganzes Wesen - ist Liebe. Bereits im Alten Testament offenbart Gott sich als der "Ich-bin-da", als "Gott-für-uns", in Jesus Christus ist diese Liebe Gottes Mensch geworden und in seiner Person in unserer Welt erschienen. In der kürzlich veröffentlichten Enzyklika unseres Papstes Benedikt XVI. wird genau dies zum Titel und zum Programm erhoben, wenn unter der Überschrift "Deus Caritas est" (Gott ist Liebe) eben diese Liebe Gottes, die uns geschenkt ist und uns Menschen zum Handeln und zur Liebe drängt, thematisiert wird.
Symbole sind wichtig
In dem Schreiben unseres Papstes ist wiederholt davon die Rede, dass der Mensch als Einheit von Leib, Geist und Seele lebt. So will auch die Liebe der Menschen untereinander und die Liebe Gottes zu uns Menschen immer wieder auch sinnenhaft erlebt werden. Der mit Leib und Sinnen - also nicht nur mit Geist und Verstand - ausgestattete Mensch sucht und braucht immer wieder die sinnenhafte Bestätigung, das Spüren und Erfahren von Nähe und Liebe in Worten, Gesten, Zeichen und Symbolen. In einer besonders dichten Weise wird diese Liebe Gottes zu uns Menschen in der Feier der Sakramente deutlich.
Die Sakramente sind Feiern der Menschen in und mit der Kirche, die beim Leben des Menschen und der Deutung von Lebensereignissen ansetzen.
Die Kirche hat die große Erfahrung und jahrhundertelange Tradition, so dass sie aus dem reichen Schatz der Deutung des Lebens viele Hilfen und Formen bietet, um den Menschen in der Gestaltung der Feiern ihres Lebens beizustehen und Orientierung zu geben.
Was für freudige Ereignisse gilt, die das Leben des Menschen unterbrechen, bereichern und zur Sprache bringen, gilt auch für die Ereignisse, die mit Leid, Not und innerer Bedrängnis verbunden sind. Man redet darüber, gibt dem Ereignis eine lebensfördernde Deutung und Bedeutung. In einer entsprechenden Feier der Trauer etwa gibt man dem Trost Raum, um durch die Feier den Mut zum Leben zu stärken.
Für die Feier der Sakramente ist es wichtig, dass man bei den Lebenserfahrungen der Menschen ansetzt, ihnen eine Deutung gibt und in der Feier bewusst macht, was dadurch an neuer Qualität des Lebens dem Menschen geschenkt worden ist.
Die Kirche spricht von sieben Sakramenten:
Taufe - Firmung - Eucharistie - Buße - Krankensalbung - Weihe - Ehe
Um der Menschen willen hat Jesus seiner Kirche die Sakramente gegeben, als verlässliche Haltepunkte und als sichtbare Orientierungszeichen an entscheidenden Punkten menschlichen Lebens: am Beginn des Lebens (Taufe) und in Krankheit (Krankensalbung), bei der Suche nach Orientierung und Lebenszielen (Firmung), bei der Partnerentscheidung (Ehe), in Schuld und nach Versagen (Buße), bei der Frage, wovon und woraus man lebt (Eucharistie) und bei der Frage nach der Verbindlichkeit und Verlässlichkeit, im Namen Jesu zu sprechen und zu handeln, zu binden und zu lösen (Priesterweihe).
Die drei Sakramente "Taufe", "Firmung" und "Eucharistie" (die sogenannten Initiationssakramente) geben dem christlichen Leben Grund und Wachstum. Die Sakramente "Buße" und "Krankensalbung" bringen die Heilung des Menschen zum Ausdruck und zur Wirkung. Die Sakramente der "Weihe" und der "Ehe" stellen die Christen in den Dienst der Gemeinschaft.
Die Sakramente bilden so ein organisches Ganzes, in dem jedes Sakrament seinen Platz und seine Bedeutung im Leben hat. Besonders hervorzuheben sind dabei die Sakramente der Eucharistie und der Taufe, die eine besondere Stellung innerhalb der Sakramente und für das gesamte christliche Leben haben. Die Taufe ist die Grundlage des ganzen christlichen Lebens, gleichsam das Eingangstor zu allen anderen Sakramenten. Die Eucharistie ist "Quelle und Höhepunkt des christlichen Lebens", wie das II. Vatikanische Konzil mehrfach hervorhebt (vgl. Kirchenkonstitution, Nr. 11). Alles Tun der Kirche und insbesondere die Sakramente sind damit auf die Eucharistie hin ausgerichtet und werden auch zumeist im Rahmen einer Eucharistie gefeiert.
Zusammenfassend lässt sich somit sagen: Sakramente - heilige und heilende Feiern, durch die uns Gott seine Vergebung, seine Nähe und seine Liebe schenkt.
Es liegt an uns, diese Liebe anzunehmen und sie in unserem Leben wirksam werden zu lassen.
Gerhard Eckmüller,
Referent für Sakramentenpastoral beim Bischöflichen Seelsorgeamt Passau
und Blindenseelsorger der Diözese Passau